
Sardinien Reise, was die Insel wirklich besonders macht
Es gibt Reiseziele, die halten was sie versprechen. Sardinien ist so eines. Wir haben die Insel besucht und sind mit dem gefahren, was man braucht: einem Mietwagen, keinem festen Programm und dem Willen, nicht nur an den bekannten Stränden zu landen.
Sardinien ist weit mehr als eine exklusive Badeinsel. Wer genau hinschaut, findet eine Mischung aus Puderzuckerstränden im Norden und einer fast unberührten, wilden Bergwelt im Zentrum. Das klingt nach Prospekttext, stimmt aber. Die Insel überrascht jeden, der sie nur als Strandurlaub versteht.
Anreise und erstes Orientieren
Das Flugzeug ist schneller, die Flugzeit vom deutschen Festland beträgt etwa zwei Stunden. Die Fähre hat dagegen einen ganz eigenen Charme, man kann das Auto mitnehmen und die Reise beginnt schon an Bord. Wir sind geflogen und haben vor Ort einen Mietwagen genommen. Ohne Auto kommt man auf Sardinien nicht weit. Die öffentlichen Verbindungen sind dünn, und die schönsten Ecken liegen abseits der Hauptstraßen.
Drei Flughäfen stehen zur Wahl: Olbia im Norden, Alghero im Nordwesten und Cagliari im Süden. Welcher passt, hängt davon ab, welche Region man erkunden möchte. Wer die Costa Smeralda und den Norden plant, fliegt nach Olbia. Wer den Süden und die Hauptstadt sehen möchte, landet in Cagliari.
Die Küste, Stränden und was man wissen sollte
Über 2000 Kilometer Küstenlinie warten auf Besucher, von luxuriösen Buchten der Costa Smeralda bis zur ursprünglichen Costa Verde. Das ist viel für eine einzige Reise. Man muss also wählen.
Die Costa Smeralda im Nordosten ist weltbekannt und entsprechend voll im Sommer. Das smaragdgrüne Wasser rechtfertigt den Hype, aber wer Ruhe sucht, fährt besser woanders hin. Die kleinen Buchten abseits der Hauptstrände bieten oft das Paradies ganz für sich allein.
Cala Goloritzé an der Ostküste gehört zu den eindrucksvollsten Stellen der ganzen Insel. Der Strand ist nur zu Fuß oder mit dem Boot erreichbar, die Wanderung dauert rund eine Stunde, aber der weiße Kalksteinfelsen, der 143 Meter über dem Meeresspiegel aufragt, macht den Aufwand mehr als wett.
Im Südosten lohnen sich Villasimius und die Umgebung von Costa Rei mit langen Sandbänken und flachem Wasser. Besonders karibisch wirkt die Gegend rund um Villasimius, das türkisblaue Wasser an der Cala Giunco begeistert sowohl Einheimische als auch Reisende.
Das Landesinnere, unterschätzt und lohnenswert
Wer Sardinien nur von der Küste kennt, hat die halbe Insel nicht gesehen. Das Gennargentu Gebirge im Zentrum ist eine andere Welt. Kühl, still, mit Dörfern in denen man der einzige Tourist ist. Im Hinterland fühlt man sich fast wie in einer anderen Welt: weite Landschaften, kaum Verkehr, kleine Dörfer, in denen die Zeit stehen geblieben zu sein scheint.
Auf der Hochebene Giara kann man noch immer freilebende Wildpferde beobachten. Das ist kein Zoo, sondern einfach Natur. Wer morgens früh hinkommt, hat die Hochebene meist für sich.
Alghero, die katalanische Stadt im Nordwesten
Alghero ist eine der angenehmsten Städte auf Sardinien. Unter ihren Bewohnern wird sie auch Klein-Barcelona genannt, wegen der Architektur und den katalanischen Einflüssen. Die Hafenstadt wurde im 14. Jahrhundert von Katalanen dominiert und blieb über 400 Jahre eine Enklave. Das merkt man noch heute in der Sprache, in den Straßennamen und in der Küche.
Die Altstadt ist gut zu laufen, der Hafen ist schön, und die Neptungrotte in der Nähe ist einen Ausflug wert. Tief in den Kalksteinfelsen nahe Alghero liegt die Grotta di Nettuno, eine beeindruckende Tropfsteinhöhle direkt am Meer.
Cagliari, die Hauptstadt
Cagliari liegt im Süden Sardiniens und bildet mit seinem internationalen Flughafen und vielen Fährverbindungen für viele Reisende den Startpunkt des Urlaubs. Die Stadt lohnt sich als Zwischenstopp oder als eigenständiges Reiseziel.
Das Viertel Castello auf dem Hügel ist der historische Kern, mit mittelalterlichen Mauern, engen Gassen und Blick auf die Küste. Die Bastione di Saint Remy, die Kathedrale und das römische Amphitheater gehören zu den Highlights. Abends lohnt es sich, einfach durch die Innenstadt zu laufen und irgendwo zu essen.
Die Nuraghen, Steinzeugen einer alten Kultur
Über 7000 rätselhafte Steintürme, die Nuraghen, prägen das Landschaftsbild Sardiniens und bieten spannende Ausflugsziele, die bis in die Bronzezeit zurückreichen. Man fährt durch die Insel und sieht sie überall, auf Hügeln, mitten in Feldern, manchmal direkt neben einer Straße. Die bekannteste Anlage ist Su Nuraxi bei Barumini, UNESCO-Weltkulturerbe und gut erschlossen für Besucher.
Essen und Trinken
Die sardische Küche ist eigene und nicht nur eine Variante der italienischen. Porceddu, das langsam über offenem Feuer gegrillte Spanferkel, ist das bekannteste Gericht. Culurgiones, gefüllte Teigtaschen mit Kartoffeln, Käse und Minze, sind in jedem guten Restaurant zu finden. Das Brot Pane Carasau und der Ziegenkäse Pecorino Sardo sind auf Sardinien einfach unschlagbar lecker.
Beim Wein gibt es zwei klare Empfehlungen: Vermentino als kühler Weißwein zum Fisch, Cannonau als kräftiger Rotwein zu Fleisch. Beide kommen von der Insel selbst.
Beste Reisezeit
April, Mai und September sind ideal. Die Touristenmassen sind noch nicht da oder schon wieder abgereist, die Straßen sind frei und das Wetter spielt mit. Im Hochsommer ist es heiß, die Strände sind voll und die Preise deutlich höher. Wer flexibel ist, fährt in der Nebensaison und hat die bessere Reise.
Was man mitnehmen sollte
Gute Schuhe für die Wanderungen im Landesinneren, Sonnenschutz in ausreichender Menge, Bargeld für kleinere Restaurants und Märkte, und Zeit. Sardinien ist keine Insel, die man in drei Tagen abgehakt hat. Wer einmal dort war, versteht warum so viele immer wieder zurückkommen.
