So sind die Sarden, Mentalität, Umgangsformen und was Touristen falsch machen

Wer nach Sardinien reist und erwartet, dass alle offen, laut und herzlich sind wie man sich Südeuropäer vorstellt, wird zunächst überrascht sein. Die Sarden sind nicht kühl, aber sie brauchen Zeit. Wer das versteht, hat die schöneren Erlebnisse.

Für die Sarden war ein Deutscher als Fremder zunächst ein Exot. Aber man schätzte es, dass Budoni den Vorzug gegeben wurde, und darum wurde man mit Gastfreundschaft überschüttet. So etwas kannte man bis dato nicht. Weder in anderen Ländern war man jemals so herzlich aufgenommen worden. Sardinienferienhaus Das beschreibt es gut. Die Herzlichkeit der Sarden ist real, aber sie zeigt sich nicht beim ersten Kontakt. Sie entfaltet sich wenn man Interesse zeigt, ein paar Worte Italienisch versucht oder einfach Geduld hat.

Was Sardinien nicht ist: ein Ort wo der Tourist König ist und alles auf ihn ausgerichtet wird. Die Sarden leben ihr Leben, und der Urlauber ist ein Gast darin. Das ist keine Abweisung, sondern Selbstverständlichkeit. Wer das respektiert, wird besser behandelt als wer es erwartet.

Ein paar konkrete Hinweise aus unserer Erfahrung: Auf Pünktlichkeit im deutschen Sinne sollte man nicht bestehen. Wenn ein Restaurant um 12 Uhr aufmacht und man um fünf nach zwölf Hunger hat, wird vielleicht noch nicht aufgesperrt. Das Mittagessen beginnt in Sardinien oft erst um halb zwei und das Abendessen selten vor halb neun.

In Dörfern im Landesinneren fotografiert man nicht einfach Menschen oder Privathäuser ohne zu fragen. Das wird als übergriffig empfunden, auch wenn es nicht böse gemeint ist.

Die sardische Gastfreundschaft zeigt sich meistens dann, wenn man selbst etwas beiträgt. Eine Frage in gebrochenem Italienisch, echtes Interesse an einem Ort oder einem Gericht, ein ehrliches Kompliment für das Essen. Das öffnet Türen, die für den Touristen, der nur abcheckt und weiterzieht, geschlossen bleiben.

Eines noch: Sardinien ist keine Insel für Hektik. Wer jeden Tag vier Sehenswürdigkeiten auf der Liste abhaken möchte, wird frustriert sein. Wer einen Tag am Strand liegt, am nächsten fährt er durch die Berge und übermorgen isst er gut, der kommt besser an.