Der Ausflug zum La Maddalena Archipel gehört für viele Sardinienreisende zum Pflichtprogramm. Bootstouren ab Palau, kristallklares Wasser, weiße Sandstrände, Cala Corsara auf der Isola Spargi als einer der schönsten Stopps. Was die meisten Reiseprospekte dabei nicht erwähnen: Auf Spargi leben Wildschweine. Und die gehen an den Strand.
Wir haben das selbst erlebt. Nicht dramatisch, aber unerwartet.
Eine unbewohnte Insel mit ungebetenen Dauergästen
Spargi ist eine der sieben Hauptinseln des Nationalparks Arcipelago di La Maddalena, unbewohnt, umrahmt von einem bezaubernd klaren Meer. Kein Supermarkt, kein Hotel, keine Infrastruktur. Nur Natur, Granit, Macchia und Strand. Und eben Wildschweine.
Auf der Insel Spargi gibt es Wildschweine, die selbst an den Stränden mutig ihre Runden ziehen und furchtlose Protagonisten beim Diebstahl von Badetaschen, Handtaschen und Rucksäcken sind. Das ist keine Übertreibung. Es gibt Videos davon im Netz, gefilmt von Urlaubern die ungläubig zuschauen wie ein Wildschwein an ihrer Tasche schnüffelt oder direkt hineingreift.
Woher kommen sie
Das ist der interessante Teil. Die Wildschweine auf Spargi sind keine Ureinwohner der Insel. Die heimliche Einführung des Wildschweinhybriden erfolgte ab den 1980er Jahren durch die Freilassung einiger Exemplare auf der Insel Caprera. Jemand hat die Tiere also absichtlich dort ausgesetzt, warum auch immer. Seitdem vermehren sie sich.
Der Direktor des Parks, Giulio Plastina, erklärt: Die Tiere sind nicht heimisch, sondern vom Menschen mitgebracht worden. Sie vermehren sich, haben keine Fressfeinde und verursachen enormen Schaden nicht nur an der Flora, sondern auch an der Fauna und an den endemischen Arten, die auf dieser Insel vorkommen.
Was im Sommer 2024 passierte
Im August 2024 spitzte sich die Situation zu. Ein Kind wurde von einem Wildschwein gebissen, was zu sechs Stichen führte, auf der Insel Spargi in Cala Corsara. Genau der Strand, den fast jede Bootstour ansteuert, einer der meistbesuchten und meistfotografierten Strände des gesamten Archipels.
Seit Beginn des Sommers sah man auf dieser Insel Wildschweine, die einzeln oder in Gruppen an überfüllten Stränden umherliefen und zu Protagonisten bei Diebstählen von Badetaschen, Handtaschen und Rucksäcken wurden. Alles pünktlich gefilmt, fotografiert und online gestellt.
Der Vorfall mit dem Kind war der Punkt an dem die Behörden handeln mussten. Der Bürgermeister von La Maddalena berief einen Krisengipfel ein, die Insel wurde zeitweise für Badegäste gesperrt und eine Keulung der Tiere angeordnet.
Die Debatte dahinter
Die Entscheidung zur Keulung war nicht unumstritten. Der Tierschutzverein LNDC Animal Protection ging gegen die Verordnung vor. Präsidentin Piera Rosati sagte: Auch in Spargi wiederholt sich ein weiteres nutzloses Blutvergießen mit gewalttätigen und ergebnislosen Maßnahmen.
Auf der anderen Seite argumentierten lokale Bootsanbieter sachlich. Claudio Denzi, Präsident des Verbandes der nautischen Betreiber, sagte: Auf einer Insel wie Spargi landen täglich rund 6000 Touristen mit Regenschirmen, Taschen, Schuhen, Lebensmitteln und so weiter. In Wirklichkeit füttern die Touristen von Spargi, obwohl es verboten ist, unbewusst alles, sogar Eis.
Das ist der eigentliche Kern des Problems. Wildschweine die gelernt haben, dass Menschen Essen bedeuten, verlieren ihre natürliche Scheu. Was auf dem Festland im Wald passiert, passiert auf Spargi am Strand, unter Badegästen, mitten am Tag.
Was Besucher beachten sollten
Die Gäste wurden gebeten, kein Futter auf die Insel zu bringen, da es die Wildschweine anlocken könnte. Das gilt für alles, auch für Snacks, Obst, Brot im Rucksack. Wer mit Lebensmitteln an Land geht, sollte sie nicht offen liegen lassen und Taschen nicht unbeaufsichtigt am Strand zurücklassen.
Wer ein Wildschwein am Strand sieht, sollte Abstand halten und es nicht füttern, auch nicht versehentlich. Keine schnellen Bewegungen auf das Tier zu, kein Fotografieren auf zu kurze Distanz. Die Tiere sind nicht aggressiv aus Böswilligkeit, sie suchen Futter und haben gelernt wo es zu finden ist.
Lohnt sich der Ausflug trotzdem
Ja, eindeutig. Spargi und die Cala Corsara gehören zu den schönsten Orten die der La Maddalena Archipel zu bieten hat. Das Wasser dort hat Farben die man nicht beschreiben kann ohne zu übertreiben. Der Strand ist so schön, dass er 2016 zum schönsten Strand Italiens gewählt wurde.
Die Wildschweine sind ein Thema, kein Grund die Insel zu meiden. Man muss sie nur kennen, respektvoll mit ihnen umgehen und seine Sachen im Blick behalten. Wer das tut, hat einen Ausflug der in Erinnerung bleibt, aus den richtigen Gründen.













